23. März 2016

Mit Muttern auf Messe - ein völlig subjektiver Bericht eines Buchmessengreenhorns


Als Folgeerscheinung des GreenFiction-Schreibwettbewerbs durfte ich am Freitag den 18. März 2016 auf der Leipziger Buchmesse (!!!) aus meiner Gewinnergeschichte Lonesome George lesen. Hier mein "Logbuch" des Tages...

18. März 2016

5.30 Uhr:

Der Wecker klingelt. Angesichts der Tatsache, dass Vatern am Vortag Geburtstag hatte, nicht die allerhumanste Uhrzeit, aber in unserer Familie ist man das frühe Aufstehen gewöhnt, der Vogel, der Wurm, und so weiter. Leider bin ich seit vier Jahren nestgeflüchtete Studentin mit nachtaktivem Schlafrhythmus. So viel dazu.

6.15 Uhr:

Das Auto springt an. Yippie-ya-yeah! Nach vier Tage zuvor in die Werkstatt zwangseingewiesen (natürlich, nachdem ich mich, nach immerhin zweieinhalb Monaten der Trennung, hinters Steuer geklemmt hatte), ist das nicht selbstverständlich. Muttern fährt, ich bin nervös (dazu später mehr) und habe nicht wahnsinnig viel Schlaf bekommen.

7.00 Uhr:

Ein Kleinstadtbahnhof im Sauerland. Parkplatz gefunden, in einer Bäckerei mit Käsebrötchen versorgt, der Zug fährt überpünktlich ein. Check, die Reise nach Leipzig kann losgehen!

9.56 Uhr:

Nach Zwischenstopp in Warburg (Zug völlig leer) erneuter Fahrzeugwechsel in Eisenach. Ich war noch nie hier, kann vom Zug aus die Wartburg sehen! Wart, Berg, du sollst mir eine Burg werden!, oder so. Am Bahnhof steht dann eine S-Bahn im Weg, ein Schild prahlt damit, man befinde sich in der Geburtsstadt Johann Sebastian Bachs. Schön für JSB. Ich mache mich trotzdem so lang ich kann, um einen Blick auf die Burg zu erhaschen. Tausche mit Muttern Erinnerungen an eine ihrer Jugendbuchreihen aus, die teilweise in Eisenach spielt. (Anmerkung: Magda Trott, die Pucki-Bücher) Zug fährt ein. (Zug ist verdammt voll)

10.10 Uhr:

Wir waren zu geizig für eine Sitzplatzreservierung. Guter Plan. Ein weiterer Geizkragen motzt den Schaffner an, wir ergeben uns unserem selbstverschuldeten Schicksal. Nichtsdestotrotz haben wir ein paar Minuten später Glück und ergeiern im völlig überfüllten ICE zwei leere Sitzplätze. Ich ziehe einen Stapel dichtbeschriebener Zettel aus meinem Rucksack, die später noch eine größere Rolle spielen werden, und kritzele mit Textmarkern darin herum. Dann reiche ich sie an Muttern weiter. Ein wenig leichte Lektüre für die letzte Stunde Fahrtzeit.

11.15 Uhr:

Endlich angekommen! Wie angestochen springen wir zwei Landeier in eine der alle drei Minuten vom Bahnhof in Richtung Messegelände abfahrenden Straßenbahnen. Nach zwei Minuten sind wir da. Kommentar von Muttern: „Das hätten wir jetzt aber auch laufen können, woll?“


11.30 Uhr:

Messeluft! Wir brauchen uns nur den Menschenmassen anzuschließen, die in Scharen auf das riesige, mit Fahnen verzierte Glasgebilde zuströmen. Mir fällt auf, dass sich ungewöhnlich viele Cosplayer unter den Messebesuchern befinden. Warum, das wird uns spätestens klar, als wir das erste große Plakat entdecken, das für die Manga-Comic-Con wirbt. „Uiii“, mache ich. Zwar bin ich kein großer Manga-Fan, aber als damals recht burschikoses Kind der Neunziger steckt doch auch in mir ein kleiner Nerd.

11.40 Uhr:

Wir brauchen nur etwa zehn Minuten, um uns im riesigen Foyer zu orientieren, einen Messeplan zu stibitzen und herauszufinden, wie wir unsere Onlinetickets in die Ticketautomaten der Drehkreuze fummeln müssen. Auf die „Wir-vons-Land“-Methode verfahren wir ganz nach dem Motto: „Erstmal gucken, wie das alle anderen so machen.“ Check, wir sind drin – und stehen direkt vor dem Blauen Sofa. Ich erkläre meiner Mutter das Prinzip des Blauen Sofas und gebe zu, keine Ahnung zu haben, bei wem es sich um den gerade Interviewten handelt – und zudem keinen der auf dem großen Screen angekündigten folgenden Blauen Sofierenden vom Namen her zu kennen. Macht nichts.

11.45 Uhr:

Um Punkt 14 Uhr habe ich einen Termin in Halle 2, vom Foyer aus gesehen links. Wir entscheiden uns also, eine Runde entgegen dem Uhrzeigersinn zu drehen und mit der Manga-Comic-Con anzufangen. Nachdem wir die ersten Stände passiert haben, Kommentar von Muttern: „Ich glaube, ich heb hier den Altersdurchschnitt ganz gewaltig.“ Ich tröste sie: Bei den Cosplayern sei das Alter schließlich nicht immer ganz eindeutig identifizierbar.
Ich bin kurz versucht, mir ein Herr-der-Ringe- oder Harry-Potter-Überraschungstütchen für zehn Euro zu kaufen. Figuren, Spielzeug und ganz viele nackte Frauen – so werben die Tütchen in überschaubarer Größe für ihren Inhalt, und ich frage mich, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, statt einer nackten Hermine Granger eine Lack-und-Leder-Molly Weasley zu erwischen. Schlussendlich siegt meine vernunftbedingte Sparsamkeit, die sich auch von flauschigen Pikachu-Kostümen, seidigen Kimonos (bezaubernd!) ab 49 Euro das Stück und alten Lustigen Taschenbüchern, drei für zehn Euro nicht brechen lässt.

12.32 Uhr:

In Halle 3 empfängt uns eine knarzende, krächzende Stimme in der Nähe des Forums Literatur „buch aktuell“. „Na, gegen die lese ich aber recht human“, unke ich, der personifizierte D-Zug unter den Vorlesern. „Publikum hat die aber satt und schmutzig“, kommentiert Muttern und ich trete näher, um einen Blick auf die Lesende zu erhaschen. Als zwei U-einssechzig-Zwerge scheitern wir beide, also inspiziere ich den Bücherstand jenseits der Foren-Trennwände. Aha. Entertainerin Desirée Nick bewirbt ihr neuestes Werk – das meine Familie und ich tags zuvor nach einem Interview in unserer Tageszeitung einstimmig als „Kann man sich antun – muss man aber nicht“ abgetan hatten. Glucksend setzen wir unseren Weg fort.

12.35 Uhr:

Die schönsten Bücher aus aller Welt sind nicht weit – Bücher, die mit Medaillen für ihre gestalterische Schönheit ausgezeichnet worden waren. Darunter ein chinesisches (japanisches? koreanisches?) Werk in Form eines Taschenkalenders oder Daumenkinos, schon recht zerfleddert, eine dänische Kurzgeschichtensammlung, deren Schönheit sich vielleicht in den paar komplett schwarzen, nur mit dem weißen Titel der folgenden Kurzgeschichte beschriebenen Seiten versteckt, und das vom Design her genau so aussieht, wie meine letztsemestrige Dänischlektüre von Naja Marie Aidt, und ein, wenn ich mich recht entsinne, niederländischer Band mit Zeichnungen und Karikaturen die allesamt einen nackten, dicken, pinken, glatzköpfigen Mann in diversen Alltags- und Sexpositionen darstellen.
Mit diesem Buch halten wir uns mit Abstand am längsten auf.

12:55 Uhr:

Wir erhaschen die letzten Minuten des Vortrags von Autor Volker Kitz bei Droemer Knaur: Er erläutert, was ein Autor darf, wie weit er gehen kann in seiner Wortwahl, und was man tunlichst unterlassen sollte. Beleidigungen, Wortassoziationen, Wortwandel. Sehr interessant.

13.05 Uhr:

Muttern und ich diskutieren auf unserem Weg in Richtung Halle 5 noch immer über die Verwendung der Wörter „Mord“ und „Vergewaltigung“. So intensiv, dass wir gar nicht merken, wie wir im Politikforum landen und uns plötzlich eingeklemmt zwischen dem COMPACT-Magazin und irgendeiner erzkonservativen, sächsischen Jugendvereinigung landen. Schnell weg hier!

13.15 Uhr:

Fünfundvierzig Minuten noch. Ich bekomme nicht viel mit auf unserem Weg durch Halle 4, mache mir aber eine geistige Notiz, dass ich dem Nordischen Forum später auf jeden Fall noch einen Besuch abstatten muss.

13.50 Uhr:

Mit wackeligen Knien durchqueren wir – ich wackele, Muttern schreitet energisch drein, wie üblich – die Fantasy-Abteilung in Halle 2, geradeaus auf die großen Aufhänger des Arena-Verlags zu.
„Hi“, sage ich und trete auf Arenas Infotheke zu. „Ich sollte mich um zwei Uhr hier melden – wegen der GreenFiction-Veranstaltung.“
Ernte nur leere Blicke. „Nie von gehört“, erwidert die ich-geh-mal-von-studentischer-Aushilfe-aus, und fragt gleich ihren Kollegen, der einen Karton mit Flyern schleppt und genau so wenig Ahnung hat. Mein Magen bewegt sich abwärts und rutscht an meinem Strumpfhosenloch vorbei, das ich schon seit Stunden zu verbergen versuche. Plötzlich hellt sich das Gesicht meiner Gegenüber auf. „Sind Sie Autorin?“
„Kann man so sagen“, entgegne ich vorsichtig. Autorin – das klingt so wahnsinnig groß, und ich denke immer, je kleiner, desto besser.
„Gehen Sie mal da in Richtung Presseabteilung“, instruiert mich die Arena-Informationsdame (danke für die Info, denke ich), und ich eiere unentschlossen los, Muttern folgt in sicherem Abstand. Keine Ahnung, wo der Pressebereich ist, keine Ahnung, wen ich dort treffen soll.
Plötzlich springt eine blonde, junge Frau auf mich zu, streckt mir die Hand entgegen und ruft „Anna?“
Ich so, grinsend und erleichtert: „Ne, aber Alina.“ Wunderbar, ich bin richtig.

14.00 Uhr:

Ich lerne meine Mitautorin Johanna kennen. Gemeinsam mit ihr und zwei weiteren Preisträgern bin ich mit einem Text in der GreenFiction-Anthologie 2016 des Arena-Verlags (!!!) und der Onlineplattform Lizzynet vertreten, die wir in einer halben Stunde bei einer Lesung präsentieren sollen. Langsam tröpfeln Anna und Timo ein, die anderen beiden Preisträger, und ich lerne die Mentoren der anderen kennen, die Autoren Ilona Einwohlt, Jasna Mittler und Jens Schumacher. Meine Mentorin Gerlis Zillgens, mit der ich im letzten Herbst meinen Text ausarbeiten durfte, ist als einzige nicht vor Ort. Macht nichts, ich durfte sie schon am vorigen Sonntag bei einer Lesung in Köln kennenlernen.
Vorbesprechung.
„Wart’s ab, hatte meine Mentorin mir am Sonntag im Vertrauen gesagt, „wenn ihr nicht auf einer der Lesebühnen lest, ist da so viel Laufpublikum, dass ohnehin keiner richtig zuhört. Das wird locker.“ Ich hatte beruhigt genickt, wer schickt schon vier Greenhorns auf eine große Lesebühne?
Wo war ich? Ach ja, Vorbesprechung. Zuerst wird uns und den Mentoren die Pressedame des Arena-Verlags ein paar Fragen stellen, dann lesen wir nacheinander etwa fünf Minuten, dann wieder Frage-Antwort-Spiel. Okay soweit.
Wir stiefeln zu unserem Leseort, dem Forum-Kinder-Jugendbildung.
Meine Kinnlade folgt meinem Magen abwärts. Die verdammte Bühne ist mindestens so groß, wie die von Desirée Nick.

14:30 Uhr:

Wir sitzen wie Hühner auf der Stange in Pressekonferenzmanier auf der Forenbühne. Ich, Anna, Ilona Einwohlt, Timo, Johanna. Die Arenadame fragt. Zunächst die anderen, ich bin ja mentoren-los, also lehne ich mich ent… also, angespannt zurück. Dann kommt meine Lesezeit.
Ich nehme meine bedruckten und im Zug bekritzelten Zettel zur Hand. Schlucke, nehme einen Schluck Wasser und begrüße dann locker-flockig das Publikum. Mein Verhaspler fällt niemandem so richtig auf. Dann lese ich die ersten Sätze: „Es gibt Schlimmeres, als ein Leben als Junggeselle zu führen. Zum Beispiel, zu einem Leben als ewiger Junggeselle verdammt zu sein!“ Ich ziehe die Augenbrauen hoch, glotze wissend ins Publikum, ernte ein paar Lacher.
Mit einem erleichterten Lächeln lese ich weiter. 


Ich bin ganz links! (Das Versteck hinterm Mikro war nicht die beste Idee des Tages...
 
15.00 Uhr:

Unsere Lesung ist viel zu schnell vorbei. Nach mir lesen meine drei Kollegen, dann beantworten Ilona Einwohlt und wir noch ein paar Fragen, und dann (oha!) wird eine Signierstunde angekündigt – aus der leider nichts wird (ich wollte immer schon einmal Autogramme geben!), warum genau, das geht in meiner allgemeinen Euphorie an mir vorbei. Immerhin ergattert Jens Schumacher noch ein Autogramm von uns vieren auf einer Werbepostkarte (yay! Mein erstes Autogramm!).

15.15 Uhr:

Wieder am Arena-Stand. Es gibt Sekt! (Aus irgendeinem unerfindlichen Grund nippen alle nur daran, während meiner recht schnell leer ist. Ich weiß auch nicht. Müssen die Sauerländer Gene sein.) Es tut mir ein wenig Leid, dass Muttern an meiner Tasche herumschleppt und selbst keinen Sekt abbekommt, aber die Leute vom Arena-Verlag, die Lizzynetler und die Mentoren sind so damit beschäftigt, uns die Bäuche zu pinseln, und wir sind so damit beschäftigt, Fragen zu stellen, Dankeschöns einzuheimsen und – in meinem Fall – Sekt zu trinken, dass alles andere unwichtig wird.
So unwichtig, dass ich nicht einmal mitbekomme, dass im Hintergrund eine meiner liebsten Jugendbuchautorinnen, Federica de Cesco, ihre Autogrammstunde abhält. Rotzverdammi!
Na ja. Immerhin sammeln wir fleißig Visitenkarten ein. Die ganzen strahlenden Gesichter beflügeln ungemein, und ich meine, mein Glück ist fast vollkommen, als wir zur Talkrunde mit ein paar weiteren Arena-Autoren eingeladen werden. Als sich Johanna verabschiedet, weil ihr Zug fährt, schaue ich selbst endlich einmal auf den Tacho – holla die Waldfee, wie die Zeit vergangen ist!
Nach unzähligen Händedrucken, Winkern und Entschuldigungen eise ich mich bedauernd los und mache mich auf die Suche nach Muttern. Wenn ich nicht etwas in den Magen bekomme, bevor unser Zug fährt, mache ich noch auf dem Bahnsteig einen Klappstuhl!

15.50 Uhr:

Ich finde Muttern in der Fressmeile. Wir gönnen uns China-Nudeln und einen Crêpe und ein Softeis im Abgang. Außerdem zwei Cola-Light. Muttern legt mit dem Kommentar, sie wollte eigentlich nicht den ganzen Getränkestand kaufen, unverschämte sieben Euro für die beiden Softdrinks auf die Theke. Dann strolchen wir in Richtung des Nordischen Forums, in dem ich mir gerne noch eine Talkrunde angehört hätte, aber wieder stehen wir Zwerge ganz hinten, und außerdem sind die Lesebühnen hier in Halle 4 so nah beieinander, dass uns die ganze Zeit andere Autoren ins Ohr quaken. Die Österreicher sind wahnsinnig laut.
16.43 Uhr:

Ein letzter Streifzug durch die Manga-Comic-Con – auf Mutterns Wunsch. Der Altersdurchschnitt ist zu so später Stunde ein wenig gestiegen. Ich bin fast versucht, mir ein Überraschungstütchen zu kaufen, aber wir finden den Stand nicht wieder. Meine Füße tun allmählich weh, und ich sehe die Cover vor lauter Büchern nicht mehr. Wir beschließen, uns zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof zu machen.

17.15 Uhr:

Verflixt. Der Fußmarsch sollte nicht nur fünf Minuten dauern. Am Bahnhof zieht es wie Hechtsuppe, wir müssen über eine halbe Stunde warten und haben nur dünne Jacken an „weil es in Leipzig ja immer wärmer ist, als im Sauerland.“
Denkste.

17.56 Uhr:

Der Zug kommt! Messebesucher, Cosplayer, Reisende mit riesigem Gepäck, alles stürmt auf die Türen zu. Muttern und ich geben uns ganz die Ruhe und laufen zielstrebig in Richtung der vorderen Waggons. Nichts los, wir finden ohne Probleme zwei Sitzplätze und lassen uns erleichtert nieder. Welch eine Wohltat!

19.51 Uhr:

Zwischenstopp in Fulda. Wir verbringen die Wartezeit in einem Buchhandel im Untergrund (offensichtlich hatten wir noch nicht genug Bücher für einen Tag). Plötzlich Muttern so: „Ey, da war eine Durchsage für unseren Zug!“ Ich so: „Ach was.“
Trotzdem gehen wir zum Gleis.
„Achtung, hier eine Durchsage zu ICE 274, heute 25 Minuten später. Reisende nach Kassel-Wilhelmshöhe nehmen bitte ICE Nummer…“
Wir rennen wie vom Affen gebissen los. Gerade noch rechtzeitig stürzen wir uns durch die Tür unseres Alternativzugs, der bereits auf unserem Gleis steht. Außer Atem machen wir es uns ganz vorn auf einer Treppe gemütlich.
„Glück gehabt“, kommentiert Muttern.

20.41 Uhr:

Kassel-Wilhelmshöhe. Auf dem Gleis, auf dem unser nächster Regionalzug abfährt, kommt gleichzeitig unser eigentlicher, verspäteter ICE an. Wir fragen am Infoschalter nach, hinter dem vier unterforderte Bahnmitarbeiter herumlungern.
„Weiß ich doch nich‘ – müssense halt aufs Gleis un‘ auf de Durchsagen hör’n!“, so der qualifizierte Kommentar einer der Schalterbeamten. Servicewüste, ick hör dir trapsen.
Wir trotten in Richtung Gleis 3.
„Durchsage: ERB900002 nach Dortmund fährt heute ausnahmsweise von Gleis 3.“
Zwar nicht ausnahmsweise, sondern fahrplanmäßig immer, aber die von der Bahn wissen schon Bescheid.
Dreißig Sekunden später: „Durchsage: Gleis 4 - ERB900002 nach Dortmund.“ Muttern und ich verdrehen die Augen, aber was soll’s Zug ist da.

21.09 Uhr:

Zug wartet. Kurioserweise auf unseren eigentlichen, verspäteten ICE. Wir haben schon sieben Minuten Verspätung. Und in Warburg eigentlich nur fünf Minuten, um den letzten Zug zu erwischen. Endlich fahren wir los.
Irgendwann dann die Durchsage: „Reisende, die in Warburg umsteigen, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Der RE10736 wartet auf unseren Zug.“
Na, danke auch!

21.45 Uhr:

Warburg. Der letzte Zug. Dass unser Zugführer fährt wie ein Kamikazepilot und wir zeitweilig das Gefühl haben, nicht mehr auf den Gleisen, sondern der Bundesstraße unterwegs zu sein, ist uns fast egal. Um zehn vor Elf kommen wir an unserem Ziel an, und auch der bahnhofsumbaubedingte Fußmarsch durch eine düstere Nebenstraße, eine Unterführung und die Begegnung mit ein paar halbstarken, gläserwerfenden Punks kann unsere glänzende Laune nicht mehr trüben. Wir sind beide müde, aber dieses Mal fahre ich.
Das Auto springt brav an.

Kommentare:

  1. Hihi. Ich kann das nur bestätigen. Aber schön war's. Gruß Mama

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    1. Hier gibt es eben nur die reine Wahrheit... *unschuldigflöt*
      Gruß zurück. :-*

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