Montag, 25. Juli 2016

Montagsfrage: Lesen in der digitalisierten Welt

Die Montagsfrage ist eine Aktion, die regelmäßig auf dem Buchfresserchen-Blog stattfindet. Jeden Montag wird eine Frage rund ums Thema Bücher gestellt, die man dann innerhalb einer Woche auf seinem eigenen Blog beantworten kann. 
http://buch-fresserchen.blogspot.de/p/montagsfrage.html

 

Hat sich dein Leseverhalten durch die fortschreitende Digitalisierung verändert? 


Wieder mal eine interessante Frage vom Buchfresserchen Svenja, die ich so wie sie da steht am liebsten mit Jein beantworten würde. Aber ich fange lieber vorne an: 

Noch vor zwei, drei Jahren konnte ich es mir überhaupt nicht vorstellen, Bücher anders als im Papierformat zu konsumieren (von gelegentlichen geizbedingten Fachlektüren im PDF-Format einmal abgesehen). Seit letztes Jahr an Weihnachten aber ein Tolino Shine 2HD für mich unter unserem schäbigen Schringel von Baum lag, kann ich mir ein Lesen ohne e-Reader nicht mehr vorstellen! Gleich zu Anfang besorgte ich mir ein e-Abo der ZEIT und lese dadurch weitaus mehr (Wochen-)Zeitung, als während der ersten Jahre meines Studiums, als die Zeitung nicht mehr wie gewohnt auf dem elterlichen Essenstisch lag, sondern, leider, einen empfindlichen Angriff auf die eigenen Finanzen darstellte (und mal ehrlich: Wer hockt sich schon jeden Tag in die UB, um Neuigkeiten zu lesen, die man auch online oder in den Nachrichten bekommt?). Heute lese ich zwar nicht jede Ausgabe der ZEIT, und auch niemals alles (über 600 Seiten - pro Woche! Und Sport ist natürlich auch immer dabei...), aber mein Überblick im Weltpolitikgeschehen und mein feuilletonistischer Horizont haben sich dadurch doch stark erweitert, und es tut auch gut zu wissen, sich nicht grundsätzlich umsonst durch die Newswelt zu schnorren.

Des Weiteren habe ich durch meinen Tolino meinen Fundus an Klassikern stark aufgestockt - wenn sich der Autor seit Jahrhunderten die Radieschen von unten beguckt, ist das schlechte Gewissen, wenn man sich so ein Gesamtwerk für ein paar Euro aneignet, lange nicht so groß, wie bei irgendwelchen billigen Raubkopien zeitgenössischer Autoren. Mittlerweile hole ich mir auch gelegentlich neuere Bücher im e-Format - mit weiteren Umzügen vor der Nase überlege ich mir einfach lieber dreimal, ob ein Buch aus Papier die Anschaffung wirklich wert ist. Bei e-Books überlege ich nur noch zweimal. ;-)

Dass sich mein Leseverhalten in den letzten Jahren verändert hat, das kann ich nicht bestreiten. Ich habe immer noch kein Problem damit, auch dicke Bücher zu lesen, aber ich bin ungeduldiger und anspruchsvoller geworden und breche Bücher schonmal eher ab - allerdings auch im Printformat. Ob das an der schnelllebigen, digitalen Zeit hängt oder sich vielleicht auch mit dem Studium und der Masse an Lektüre ergeben hat - da bin ich mir nicht ganz sicher und möchte deswegen auch keine Behauptungen aufstellen. Zeitschriften und Artikel lese ich immer noch in der Regel komplett und von hinten nach vorn (die Zeitschriften, nicht die Artikel. Alte Linkshänderangewohnheit ;-)).  

Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist: Ich lese viel mehr. Und zwar Schrott. Der ze.tt-Artikel hier, die "25 Gründe warum du ein verdammter Generation XYZ-Pisser bist" da, die "Diese Geschichte wird dir den Atem rauben" und "Was dann passiert, damit hat niemand gerechnet"-Anekdote dort. Und im Anschluss hasse ich mich dann dafür und wünsche alle Lifestylenachwuchsjournalisten, die diesen Schund zusammenkleistern, in ihre kunterbunte Vollbart-Mate-Hipster-Welt zurück. Und raus aus meiner. 

Um jetzt ein Resümee dieser (nicht ganz so kurzen) Selbstreflektion zu ziehen, die auch irgendjemandem 5 (oder 10, mit Kommentar) Minuten seiner wertvollen Zeit rauben wird: Die Digitalisierung hat sich auf mein Leseverhalten sowohl positiv als auch negativ ausgewirkt, und ich bin, was selbige anbelangt, alles andere als einer dieser pessimistischen "nur Print!"-Verfechter, sondern neugierig, wohin sich das Ganze noch bewegt: Gebe Gott, dass es eine (digitalisierte? analoge? digiloge?) Welt ist, in der die Menschen lesen und bereit sind, dafür zu bezahlen - egal ob Papier oder Datei. Ich jedenfalls bleibe weiter bei einer Mischung aus Büchern, e-Books, Bibliotheksausleihen und Onlineartikeln - wie beim Essen: eine gesunde Mischung macht's, dann wird's auch nicht langweilig. ;-) 

Kleine thematische Entgleisung jetzt am Ende. Setzen, Sechs, oder aber: Wie ist es bei euch? Hat sich euer Leseverhalten verändert, und glaubt ihr, das hängt mit unserer schnelllebigen, digitalen Zeit zusammen? Lest ihr überhaupt vieles digital, oder biegen sich bei euch die Bücherregale und flattert jeden Morgen das regionale Käseblatt ins Haus? Digital - oder analog?

Kommentare:

  1. Die lokale Zeitung flatterte hier jahrelang, viel Jahre lang, ins Haus. Nachdem sie aber immer schlechter und fehlerhafter wurde, haben wir sie abbestellt. Ich informiere mich am liebsten im Internet, wo ich dann verschiedene lesen kann.
    eReader finde ich großartig für Bücher, die man nur einmal liest. Wenn eines richtig gut ist, kaufe ich es mir in Papier. Allzu volle Bücherregale möchte ich nicht.
    LG, Ingrid

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    1. Hallo Ingrid,

      Danke für deinen Besuch! :-) Das ist faszinierend, unsere Lokalzeitung zu Hause wird auch immer fahriger, was Aufbau, Recherche und vor allem die Textqualität anbelangt - zumindest hatten wir alle nach der letzten größeren Layoutveränderung verstärkt das Gefühl... meine Eltern überlegen auch, sich eher ein e-Abo zuzulegen, aber solange meine Oma noch im Haus lebt, kommt weiterhin die Papiervariante. :-)

      So einen Umgang mit e- und Printbüchern finde ich sehr vernünftig und werde es in Zukunft wohl auch so handhaben. Solange mir noch diverse Umzüge bevorstehen, habe ich für mich beschlossen, erstmal auf Binge-Kaufen im Printbereich zu verzichten, da kommen ja Kartons zusammen... Vielleicht wird das wieder mehr, wenn ich mal irgendwann sicher sagen kann, jetzt bin ich angekommen und muss nicht in den nächsten Jahren wieder umziehen, denn einfach weggeben kann ich meine Bücher auch nicht gut, dann müssen doch schon einige mit... ;-)

      LG, Alina

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  2. Hey! Tolle Antwort auf die Montagsfrage! Ich finde es total spannend, wenn man sich damit selbst konfrontiert, wie viel man sich eigentlich schon verändert hat - ohne es eigentlich zu wissen.
    Würde mich freuen, wenn du auch bei mir mal vorbei schaust.
    http://inlovewithlines.blogspot.de/2016/07/montagsfrage-thema-fortschreitende.html
    LG, Kerstin

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    1. Hallo Kerstin,

      Vielen Dank für deinen Besuch! :-) Und ja, ich gebe dir Recht, dass es total interessant ist, sich selbst und sein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu erkennen, wie man sich selbst im Laufe der Zeit verändert. Das ist in meinen Augen auch unerlässlich, um zu erkennen, was einem eigentlich wirklich wichtig im Leben ist, und woran man selbst noch arbeiten kann. :-)

      Auf deinem Blog schaue ich gerne mal vorbei! :-)

      LG, Alina

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  3. "Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist: Ich lese viel mehr. Und zwar Schrott." - den SAtz fand ich witzig und... es geht mir ähnlich. Ich weiß, dass Clickbait (?) zu Enttäuschungen führt, aber manchmal kann ich nicht widerstehen. Ich denke, während sich die "Älteren" über solche flachen ARtikel aufregen, scheint das bei der (vermeintlichen) Zielgruppe, den Teenagern, erfolgreich zu sein. Manchmal tun mir die Redakteure leid.

    Die Zeit lese ich nur noch online, weil sie riesig ist :-)

    Meinen Beitrag findest du übrigens hier: http://evyswunderkiste.blogspot.de/2016/07/montagsfrage-digitalisierung-vs.html

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